Barfuß unter den Nussknackern
Ausstellung zeigt erste Künstler-Edition der Holzkunstfirma Blank
Lauta. Es waren zwei eher zufällige Begegnungen, die Uwe Blank seit dem vergangenem Jahr keine Ruhe mehr ließen. Da war zum einen die Aktion des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. mit bildenden Künstlern. Unter dem Motto „Ab.gedreht“ kreierten sie aus Rohteilen der Holzkunsthersteller Kunstobjekte und interpretierten erzgebirgische Holzkunst auf neue, ganz eigene Weise.
So auch Rolf Büttner, Diplom-Designer und Leiter der Oederaner Volkskunstschule. Er verpasste einem Nussknacker-Rohling aus dem Hause Blank nackte Füße und eine Krone aus Ton und bemalte ihn mit Erzgebirgsmotiven. „Zunächst wollte ich herausfinden, was man an einem üblichen Nussknacker weglassen kann, ohne seine eigentliche Funktion einzuschränken“, erklärte Büttner sein Herangehen. Also wurde der Nussknacker auf den reinen Körper, ohne Beine und Kopfschmuck auf das eigentliche Nüsseknacken beschränkt. Um der Figur wieder eine Persönlichkeit zu verleihen, gab ihm Rolf Büttner Füße und eine Krone aus Keramik, ein für den aus Erdmannsdorf stammenden Künstler vertrauter Werkstoff. Seine individuelle Note bekam der „Ur“-Nussknackerkönig durch eine goldene Bemalung mit typischen Erzgebirgsmotiven.
Und damit traf er den Nerv von Uwe Blank. Der Inhaber der Grünhainichener Holzkunstfirma C. Blank sah seinen Nussknacker á la Büttner auf der Sonderschau zum Abschluss der Aktion „Ab.gedreht“ - und war sofort fasziniert. „Da stand ein Nussknacker, wie es ihn noch nicht gab: Holztechnisch auf das Wesentliche reduziert, dafür um Elemente der bildenden Kunst und der Grafik ergänzt, farblich kühl und dennoch irgendwie liebenswert“, schwärmt Blank noch heute über den nüchtern daher kommenden Kerl. Schnell waren sich Holzkunsthandwerker und Künstler einig, eine auf 100 Stück limitierte Künstleredition zu entwerfen. Die goldene Bemalung wurde teils durch Schwarz-Weiß-Zeichnungen ersetzt, und bei der Themenwahl bewies der Designer künstlerischen Ideenreichtum, ohne dabei in banale Darstellungen zu verfallen. So werden ursprünglich erzgebirgstypische Berufe wie Bergmann, Holzfäller oder Spielzeugmacher dargestellt, und beim näheren Hinsehen findet der aufmerksame Betrachter auch den Wildschütz Karl Stülpner, den Heimatsänger Anton Günther oder die graziöse Figur einer Primaballerina, eine Hommage an Tschaikowskis Nussknacker-Suite.
Nicht nur den beiden Machern hatte es der Barfußkönig angetan. Schon bald interessierte sich ein New Yorker Design Haus für die ungewöhnlichen Erzgebirgsfiguren, und auch das Interesse deutscher Händler ließ nicht lange auf sich warten, so dass heute bereits gut zwei Drittel der Gesamtedition verkauft sind.
Ein schöner Erfolg, doch irgendwie ging Uwe Blank die Sache ohne eine Präsentation dann doch zu schnell über die einheimische Bühne. Und hier war es seine zweite und wieder zufällige Begegnung mit Wolfgang Fritzsche, Leiter des Museums Pferdegöpels im Marienberger Ortsteil Lauta. Einer Einrichtung, die Uwe Blank bislang nicht kannte, in ihr jedoch eine passende Kulisse für die Ausstellung der Barfußkönige ausmachte. Unkompliziert wurde die Präsentation für die ersten 50 Editionsstücke vorbereitet und Mitte April einer breite Öffentlichkeit präsentiert. Derweil arbeitete Büttner an den restlichen Monarchen, die lediglich an zwei Ausstellungstagen gemeinsam zu sehen waren. Doch während die ersten Gesellen bereits ihren Weg in die weite Welt angetreten haben, dürften noch bis 19. Juni die Barfußkönige all jenen einen Besuch wert sein, die Holzkunst aus dem Erzgebirge nicht zwingend in alter Tradition sehen und sich wie Rolf Büttner an einer Edition „außerhalb der geschmacklichen Mitte“ erfreuen können.
Der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht ist Dienstag bis Sonntag sowie an den gesetzlichen Feiertagen in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
