10.08.11 12:59

„Bei schönem Wetter kann jeder“

Von: Matthias Degen

Regen zur Premiere der Erzgebirgischen Liedertour kein Thema

Sorgten trotz schlechtem Wetter für gute Stimmung: Heiner Stephani (re.) und seiner Olbernhauer Hauskapelle mit musikalischer Unterstützung von Reinhold Lindner (Mitte). Gemeinsam mit den Oederaner Lohnjägern, eine Hommage an die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges (Foto unten), fanden sie an der alten Steinbrücke im Schwarzwassertal ein begeistertes Publikum.

Marienberg. Man schrieb das Jahr 1459, als in der Reichspfandschaft Eger zwischen dem böhmischen König Georg von Podiebrad und Herzog Wilhelm von Sachsen ein Vergleich geschlossen wurde, der einen Schlussstrich unter die ewigen Grenzstreitereien zwischen den beiden Monarchen ziehen sollte.

Denn der Vertrag von Eger legte endgültig fest, was wem gehört und zog ein Stück des Grenzverlaufes direkt auf dem Kamm des Erzgebirges, der im vereinten Europa natürlich an Bedeutung verloren hat, jedoch heute noch immer zu den ältesten noch bestehenden Grenzen Europas gehört.

In Folge dessen begann Sachsen die Grenze zu sichern und legte im Schutz der sächsischen Wälder einen mit Schwertern gekennzeichneten militärischen Weg, den sogenannten Schwertweg, an. Damit war eine schnelle Verbindung zu den Passwegen von Sachsen nach Böhmen gesichert, die man im Kriegsfall kontrollieren konnte. Der Höhenweg auf dem damals noch kahlen Kamm bot darüber hinaus eine gute Sicht nach Böhmen und Sachsen. Mehr als hundert Jahre später wurde der Marktscheider Mattias Öder 1586 beauftragt, eine kursächsische Landesaufnahme anzufertigen. Die so nach bergmännischen Messverfahren entstandenen Karten dienten über Jahrhunderte hinweg als einzige genaue Landkarten.

Auch heute noch führen die Schwerter, zumeist auf Steinen oder an Bäumen markiert, den geübten Wanderer von Jöhstadt bis nach Altenberg die Grenze entlang - und einmal im Jahr gibt es dabei musikalische Unterhaltung der besonderen Art. Doch wer dazu traditionelle und zeitgenössische Mundartlieder aus dem Erzgebirge erleben möchte - humorvoll und kritisch, manchmal etwas skurril, aber immer am Jetzt und Hier orientiert, - durfte zur Premiere der Erzgebirgischen Liedertour am ersten Augustsonntag nicht allzu kritisch den „Sommer“-Himmel über dem Kamm betrachten. „So ist das eben mit dem Wetter im Erzgebirge“, konstatierte Constanze Ulbricht den sich ankündigenden Regen und fügte schnell hinzu: „Bei schönem Wetter kann jeder“.

Und so fing auch alles an, wie sich die Chefin des Kultur- und Freizeitzentrums „Baldauf Villa“ und ihr Team den Tag über Wochen hinweg geplant und ausgedacht hatten: Verteilt auf sieben Stationen zwischen Ol-bernhau und Kühnhaide wurde dem musikbegeisterten Wanderer ein musikalisches Spektrum geboten, das so vielfältig wie die Landschaft selbst war, wenn Frieda und Friedrich, Spielleute aus Freital, urwüchsig und fröhlich mit Trommel und Dudelsack über Land ziehen, das Olbernhauer Original Heiner Stephanie, musikalisch unterstützt vom Augustusburger Reinhold Lindner,  Geschichten über das Erzgebirge erzählt und musikalisch von seiner „Hauskapelle“ auf historischen Instrumenten begleitet wird, der Liedermacher und Heimatfreund Kendy John Kretzschmar mit viel Leidenschaft auf seiner Gitarre Blues, Folk und Rock „Made in Erzgebirge“ interpretiert oder „De Ranzen“ aus Annaberg-Buchholz für ausgelassene Stimmung in erzgebirgischer Mundart sorgen.

Für Wandersleute, denen die gesamte LiederTour entlang des Schwertweges  zu beschwerlich war, bestand die Möglichkeit, auch Teilabschnitte zu erwandern. Die dafür zur Verfügung stehenden Parkplätze waren gut ausgeschildert, für jeden Gast dann auch ein trockenes Plätzchen bereit, und auch um das leibliche Wohl musste sich keiner sorgen.

Und irgendwann am späten Nachmittag zeigte sich dann doch noch die Sonnen als ein symbolischer Fingerzeig von ganz oben, dass die Sache mit der Erzgebirgischen Liedertour doch ein lohnenswerter Anfang war. Den ersten Sonntag im August haben sich die meisten Gäste schon für das kommende Jahr vorgemerkt - dann ganz bestimmt bei Sonnenschein.