Die Erzgebirgsregion auf dem Weg zum Welterbe
Ausstellung gelingt Brückenschlag zwischen gelebter Tradition und ihrer grenzübergreifenden Bewahrung

Bergmännische Geleuchte stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Museum des Besucherbergwerks Rudolphschachts in Lauta, die noch bis 29. Januar zu sehen ist. Ein 30-minütiger Streifen zeigt eine nicht ganz offizielle Befahrung des Rudolphschachtes unmittelbar vor seiner Eröffnung als Besucherbergwerk im Jahre 2006 und ist auch als DVD im Museum erhältlich.

Aus dem „Winterschlaf“ geweckt wurde auch ein Modell des Frohnauer Hammers in Annaberg, eine der Leihgaben des Miniaturparkes Klein-Erzgebirge in Oederan.
Lauta. „Alles kommt vom Bergwerk her“ ist ein alter und heute noch oft zitierter Spruch, der an Aktualität nichts verloren hat. Er bezieht sich nicht allein auf die frühe Besiedlung der Region, sondern signifiziert das Erzgebirge seit der Zeit des Erzbergbaus im 12. Jahrhundert als eine sich dynamisch entwickelnde Wirtschaftsregion.
Die Ökonomie der kurzen Wege, der Erfindergeist der Menschen, aber auch die wirtschaftliche Not waren es, die um den Bergbau herum und nach dessen Niedergang eine Vielfalt an neuen Handwerken und industriellen Branchen entstehen ließen.
Um überleben zu können, fertigten die Bergleute und deren Familien oft neben ihrer Arbeit handwerklich Gebrauchsgegenstände an. Es entwickelte sich die Spitzenklöppelei, das Drechsel- und Schnitzhandwerk, die Posamenten- sowie die Spielzeugherstellung, das Anfertigen von Pyramiden und mechanischen Weihnachtsbergen als Nachbildung von Bergwerken und Motiven der biblischen Geschichte. Diese Produkte prägen auch heute noch das Bild vom „Weihnachtsland Erzgebirge“.
Weniger bewusst wird die Tatsache wahrgenommen, dass sich in der Folge des über 700 Jahre währenden Bergbaues im Erzgebirge eine Zuliefer- und Verarbeitungsindustrie entwickelt hat, ohne die das Wachsen der industriellen Ballungszentren um Freiberg, Chemnitz, Aue und Zwickau nicht möglich gewesen wäre. Durch die hüttenmäßige Verarbeitung der Erze, deren Aufbereitung und Weiterverarbeitung in den kleinen Städten und Gemeinden des oberen Erzgebirges bildeten sich eine Vielzahl von Branchen heraus, die längst Industriegeschichte geschrieben haben.
„Sachsen kommt vom Bergwerk her“ heißt deshalb auch der Titel einer Sonderausstellung im Besucherbergwerk Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht im Marienberger Ortsteil Lauta, und darunter verstehen die Ausstellungsmacher ganz sicher keine Einschränkung, verweisen vielmehr auf Glanz und Gloria Sachsens, die ohne das Montanwesen im Erzgebirge undenkbar gewesen wären. Eine bestimmende Rolle spielt hier das Marienberger Revier, dem bereits 1293 bergbauliche Tätigkeit bestätigt und daraus folgend unter Herzog Heinrich dem Frommen die Stadt Marienberg gegründet wurde.
Die Ausstellung zeigt mehr als 70 verschiedene bergmännische Geleuchte, darunter auch die sogenannte Freiberger Blende, eine geschlossene Grubenlampe, mit der die Bergleute zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert eingefahren sind. Sie stammen zum größten Teil von Leihgebern aus der Region. Einen Einblick in die Arbeit der Bergleute unter Tage vermitteln darüber hinaus verschiedene Holzskulpturen sowie die Modelle von markanten architektonischen Zeugen des Bergbaus im Erzgebirge wie die Saigerhütte Olbernhau, das Marienberger Rathaus oder das Brand-Erbisdorfer Huthaus Einigkeit, die der Miniaturpark Klein-Erzgebirge in Oederan zur Verfügung stellte. Andere direkte Zeugen des Bergbaus bilden in der Ausstellung verschiedene Mineralien, darunter Lautaer Fluorit oder Pyromorphit aus dem Zschopauer Revier.
Einen Bezug zu den aktuellen Bestrebungen, die Montanregion Erzgebirge als eine einmalige Kulturlandschaft zu präsentieren und zu erhalten, schaffen in der Ausstellung sachverständige Informationstafeln, die auf das Wirken der nunmehr seit zehn Jahren aktiven Welterbe-Projektgruppe Montanregion Erzgebirge verweisen. Der Machbarkeitsstudie folgte 2007 die sogenannte Realisierungsstudie, um schließlich noch in diesem Herbst in Zusammenarbeit mit der tschechischen Seite die Welterbeantragsunterlagen für eine frühestmögliche Antragstellung im Februar 2013 fertig zu stellen. „Ein derartiges Projekt kann nur in Zusammenarbeit und mit Zustimmung der gesamten Region realisiert werden“, betonte Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Leiter der Projektgruppe, zur Ausstellungseröffnung in Dezember. „Neben den betroffenen Kommunen und Landkreisen gehören dazu auch die Wirtschaft und eine breite Öffentlichkeit.“