14.01.11 10:38

Engagement auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

 

Druck- und Verlagsgesellschaft übergibt den Bewohnern des Kinder- und Jugendzentrums Geldspende

Gern gesehener Besuch: Stellvertretend für die 36 Kinder und Jugendlichen in den Häusern Pobershau und Lippersdorf übergab Manfred Dittrich (re.) im Beisein von Andre Philipp, Leiter der Einrichtung, an Marcus und Janine eine Geldspende in Höhe von 500 Euro.

 

Pobershau. Waisenhäuser waren in Zeiten hoher Müttersterblichkeit und in den Nachkriegsjahren Heimstätten für elternlose Kinder. Später nannte man die internatsmäßige Unterbringung von Waisen und Kindern, deren Elternhaus einem staatlich vorgegebenen Sorgerecht nicht oder nur bedingt entsprachen, Kinderheime.

„Beides stimmt heute so nicht mehr und stellte unsere Arbeit unter diesem geschichtlichen Hintergrund  in ein ganz falsches Licht“, stellt Andre Philipp vehement klar. Der Pädagoge ist Leiter des Kinder- und Jugendzentrums, das seit 2003 im landkreiseigenen Sozialbetrieb Mittleres Erzgebirge gGmbH integriert ist. Als eine erfolgreiche Partnerschaft in einer starken Gemeinschaft bezeichnet Philipp diese Organisationsstruktur, und die braucht es wohl auch. Neben den Senioren- und Pflegeheimen in Olbernhau, Zschopau, auf Schloss Pfaffroda, in Wernsdorf und in Dörnthal zeichnen er und seine pädagogischen Mitarbeiter für Kinder und heranwachsende Jugendliche im Alter zwischen acht und 17 Jahren in den Häusern in Lippersdorf und Pobershau verantwortlich.

Dafür stehen kleine Wohngruppen und intensivpädagogische Kleingruppen zur Verfügung, in denen ein hohes Maß an Selbstständigkeit angestrebt wird. Ansonsten gehen die Kinder von hieraus in die Schule, haben Freunde im Haus oder auch außerhalb und nehmen am Leben junger Menschen teil, wie jedes andere Kind auch. Viele der Mädchen und Jungen finden in ihr Elternhaus zurück, andere entscheiden sich mit dem 14. Lebensjahr für einen endgültigen Aufenthalt in Lippersdorf oder im Hinteren Grund in Pobershau. Auch das wird akzeptiert und findet in lebensnahen Situationen statt. Konkret bedeutet das in Klein- und Kleinstwohnungen eine weitgehend selbständige Versorgung.

Doch in einer heilen Welt lebt man deshalb noch lange nicht, auch wenn die Häuser landschaftlich einer Idylle gleichen. Die Trägerschaft sichert ausreichend Mitarbeiter, deren Dienstpläne 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr füllen. Doch trotz einer guten Auslastung sorgen vor allem steigende Betriebskosten für einen Spagat zwischen Notwendigen und Machbaren. Kleine Extras und Kinderwünsche sind zumeist allein durch Sponsoren realisierbar, zu denen seit vielen Jahren die Marienberger Druck- und Verlagsgesellschaft mbH gehört. „Uns ist es wichtig, dass unsere Spende unmittelbar vor Ort und in vollem Umfang einem sozialen Zweck zugute kommt“, erläutert Dittrich die Philosophie seines Hauses und betont, dass die Geldspende keinesfalls auf steuerrechtlichen Gründen ba-siert. Ganz im Gegenteil, denn ein eher schwieriges Geschäftsjahr liegt hinter den Marienbergern, was jedoch nicht von dem sozialen Engagement abhalten sollte. Schließlich hatte die hauseigene Laienspielgruppe mit ihren Sketchs so manche Lacher auf ihrer Seite. Und damit zukünftig jeder die Gags versteht, sollen von dem Geld professionelle Funkmikrophone gekauft werden.