25.07.11 16:33

Mediterrane Töne holten den Sommer ins Erzgebirge

Von: Matthias Degen

XX. Festival Mitte Europa: Philippe Loli und Leo Giannola überzeugten im Marienberger Druckereisaal

Vor einem begeisterten Publikum schlugen Philippe Loli (li.) und Leo Giannola eine musikalische Brücke zwischen Tradition und Moderne. Das beeindruckende Gitarrenkonzert fand im Rahmen des grenzüberschreitenden Festivals Mitte Europa statt und füllte den Druckereisaal der Marienberger Druck- und Verlagsgesellschaft mbH bis auf den letzten Platz.

Marienberg. Es gibt Menschen, denen geht ihr Job professionell von der Hand. Andere bringen all ihre Leidenschaft ein und machen ihren Beruf zur Berufung. Und es gibt Musiker, bei denen geht beides zusammen.

Zwei davon waren am 3. Juli im Maschinensaal der Marienberger Druck- und Verlagsgesellschaft mbH zu erleben, an einem Sonntag, der später zu den kältesten und niederschlagsreichsten Tagen des Sommers zählen mag und dessen meteorologisches Fehlverhalten allen Musikfreunden schon bald uninteressant wurde. Denn bereits nach dem ersten leisen und mit stetiger Harmonie sich zum Crescendo erhebenden Gitarrenspiel von Philippe Loli war der Regen nur noch ein Klopfen auf dem Dach des Druckeisaals. Im Inneren hingegen machte sich die südliche Leichtigkeit seiner Heimat Monaco breit, schien der sonnige Strand der Côte d’Azur im Erzgebirge seine neue Heimat gefunden zu haben, und spätestens nach Bachs „Prelude“ und während „The Wind of Sabarmati“, eine Eigenkomposition des Meisters und der Titelsong seiner letzten CD-Veröffentlichung, gab es für das Publikum kein Halt mehr, wurde geklatscht, als gelte es schon jetzt eine Zugabe zu erzwingen und dies mit begeisterten Rufen zu unterstützen.  Keine Frage, Loli ist eine internationale Koryphäe des Gitarrenspiels, und seine Tätigkeit als Komponist reicht vom klassischen Genre bis zur Filmmusik. Er war unter anderem an der Einspielung von „The Promise“, zusammen mit legendären Künstlern wie Paco de Lucia, Al Di Meola und Sting beteiligt.

Doch von alle dem zeugte in Marienberg „nur“ das Gitarrenspiel. Auf der kleinen Bühne vor der großen Druckanlage wirkte er stets bescheiden, fast ein wenig hilflos und schaute nach jedem Stück fragend ins Publikum: „Ist das wirklich Musik für euch?“ Und ob, besonders dann, als der zweite Konzertteil mit  Leo Giannola an seiner Seite und dem „Bossa de Janeiro“ begann, sich zum musikalischen Geben und Nehmen zwischen den beiden Künstlern entwickelte und mit   unverwechselbarer Leichtigkeit die Melodieführung zwischen Philippe Loli und seinem französischen Kollegen wechselte. Aus zwei Gitarren wurde ein Spiel, ganz so wie auch Chick Corea sein „Spain“ gespielt hätte. Zweifellos musizierten hier zwei Freunde, die wissen was sie können und weder sich noch ihrem Publikum etwas beweisen müssen. Was zählt, war und ist die Musik. Und so soll es wohl auch sein.

Drei Zugaben kündigte Philippe Loli am Ende in gebrochenem Deutsch an, drei Stücke, die jeder der über hundert Gäste in sich aufsaugte, ehe der kalte Regen sie ins richtige Leben zurückholte. „It was nice to meet you“, entfuhr es Loli zum Abschied. „Ganz Ihrer Meinung, Maître“.