22.02.11 13:52

Schlossherren haben mächtig nachgelegt

Von: Matthias Degen

175 Motorräder auf 1200 Quadratmeter Museumsfläche

Dreijährige Baumaßnahme wird großer Bedeutung gerecht

Augustusburg. Wenn ein Museum 50 Jahre alt wird, dann klingt das zugegeben nicht eben prickelnd. Auch nicht, wenn es im Jagdschloss eines Kurfürsten August hoch oben auf dem Schellenberg  untergebracht ist.

Kommt dann die Erklärung, es handle sich um ein technisches Museum, dass die Geschichte der einst bedeutendsten und weltgrößten Motorradfabrik im sächsischen Zschopau erzählt, wird die Sache schon eher interessant. Ende Januar wurde die Exposition nach ihrer bislang umfangreichsten Neukonzeption wiedereröffnet.

Und nichts ist mehr so, wie es einmal war: Das Museum hat selbst ein Stück Geschichte  geschrieben, so wie es der Zuschauer im Inneren bislang von den Zweirädern gewöhnt war. Und es handelt sich inzwischen um die bedeutendste Motorradsammlung Europas, auf dieses Prädikat legt man Wert oben auf dem Schellenberg. Zu Recht, erfährt jeder, der die zwei Treppen aufgestiegen ist und unmittelbar vor den Anfängen der motorisierten  Fortbewegung auf zwei Rädern steht. Angenehm offen präsentiert sich die  neue Schau dem Besucher. Erweitert auf eine Ausstellungsfläche von 1.200 Quadratmeter wird an Hand von 175 Exponaten die technische Entwicklung des Motorrades von 1885 bis in unsere Zeit eindrucksvoll in Szene gesetzt und dabei unter modernen musealen Gesichtspunkten mit multimedialen Animationen versehen. 

 Ein Zweitakt-Museum war es, das 1961 auf einer Fläche von 400 Quadratmeter etwa 40 Exponate im Obergeschoss des Küchenhauses zeigte und maßgeblich der Willenskraft und Einsatzbereitschaft des damaligen MZ-Kundendienst- und ersten Museumsleiter Ingenieur Rudolf Hiller zu verdanken ist. Ihm gelang es, lange vor Eröffnung des Museums die Werkleitung des Zschopauer Motorradwerkes sowie die örtliche Verwaltung von der Museumsidee zu überzeugen. Natürlich sollte sich das Museum ursprünglich in Zschopau, der Wiege von DKW und MZ, befinden. Doch hier fehlte es an einem geeigneten Gebäude. So wurde das leerstehende Küchenhaus der nahe gelegenen Augustusburg favorisiert.

Mit einem neuen Museumskonzept nach fast 30 Jahren Ausstellung gingen die Augustusburger in das Jahr der Deutschen Einheit, und mit der Liquidation von MZ im Juni in eine schwierige Phase. Denn eine große Anzahl der Exponate befanden sich im Eigentum des Motorradwerkes und waren somit Bestandteil der Liquidationsmasse. Für mutmaßliche Käufer, darunter auch so manch undurchsichtige Geschäftemacher, waren die Exponate auf Schloss Augustusburg also ganz besondere Objekte der Begierde.  Dass die Sammlung dennoch in ihrer Komplexität erhalten blieb, ist das Ergebnis harter Verhandlungen mit der Treuhand. 

Der Ankauf und die Restaurierung, derzeit kann von 300 weiteren Maschinen in Depots außerhalb des Schlosses ausgegangen werden, wurden entsprechend der Sammlungskonzeption über die Jahre hinweg konsequent verfolgt. Bedeutende Exponate wie eine Indian Chief, ein MZ BK 350 Geländegespann, eine Ner a car aus den USA oder eine Diamant 350 konnten nach aufwändiger Restaurierung als wichtige Elemente in die Ausstellung eingeführt werden. Der Freistaat Sachsen investierte für die drei Jahre andauernde Baumaßnahme insgesamt rund sechs Millionen Euro, darunter fallen auch  die Kosten für die Sanierung des Sommerhauses und des Nordflügels.