Freie Presse Chemnitz, am 19.11.2007
Druckerei arbeitet im adligen Auftrag
Marienberger Unternehmen gibt zusammen mit Albert Prinz von Sachsen Buch über das sächsische Königreich heraus
Marienberg. Seine bisher wohl ungewöhnlichste Buchpräsentation hat am Sonntag Manfred Dittrich erlebt. Der Geschäftsführer der Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH hat im Lingnerschloss in Dresden zusammen mit Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen dessen neues Buch „Königreich Sachsen – Traditionen in Schwarz und Gelb 1806–1918” erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Immer noch sichtlich beeindruckt spricht Manfred Dittrich von einem „besonderen Erlebnis”. Waren doch unter den annähernd 200 Gästen auch zahlreiche Blaublüter.
Für das seit 1992 in Marienberg ansässige Unternehmen mit seinen derzeit 46 Beschäftigten – im Sommer dieses Jahres fusionierten die Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg und die Druckerei Olbernhau GmbH – war dieses Buch eine besondere Herausforderung. „Damit haben wir uns schon einen ganz schönen Schritt nach vorn getraut”, räumt Manfred Dittrich ein. Gehörten doch bisher hauptsächlich Bücher mit regionalem Bezug zur Produktpalette. Für den heute in München lebenden Autoren wiederum war es das erste Buch, dass er in seiner angestammten Heimat Sachsen herausgegeben hat.
Der Kontakt zwischen beiden Seiten war durch den Bundesverband Mittelständischer Wirtschaft zu Stande gekommen, dessen Mitglied das Marienberger Unternehmen ist: Auf einer Wirtschaftsausstellung in Zwickau hatte der Prinz verkündet, dass er anlässlich des 200. Gründungsjubiläums des Königreiches Sachsen im Jahr 2006 ein Buch herausgeben möchte – analog wie in seiner neuen Heimat Bayern. Auch das dortige Königreich war 1806 gegründet worden. Ein erstes Treffen zwischen dem Prinzen, seiner Frau Prinzessin Elmira und Manfred Dittrich fand auf einer Autobahnraststätte „irgendwo zwischen München und Dresden“ statt, erzählt Manfred Dittrich, der sich auch noch gut an seine „Aufregung im Bauch” erinnert. Schließlich trifft man nicht alle Tage eine königliche Hoheit. Eure königliche Hoheit ist auch die offizielle Anrede für Prinz Albert. „Es war ein Stück wie im Märchen“, erinnert sich der Marienberger an seinen Gemütszustand. Seither haben sich die beiden noch oft getroffen. Einmal war das Prinzenehepaar – das sogar schon zur Privataudienz bei Papst Benedikt XVI geladen war – auch in Marienberg zu Besuch. „Die beiden sind zwei liebenswerte, nette Leute, die sich mit viel Engagement und Zielstrebigkeit um den Fortbestand Sachsens bemühen”, sagt Manfred Dittrich.
Und er räumt ein, dass er während der neunmonatigen Arbeit an dem Buch selbst viel dazugelernt hat, geschichtlich Fundiertes über Sachsen und das Erzgebirge. Ist doch der Prinz promovierter Historiker. Das Buch über das Königreich Sachsen ist vorerst in einer Auflage von 3500 Stück erschienen und in den regionalen Buchhandlungen sowie der Druck- und Verlagsgesellschaft erhältlich.
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Sächsische Zeitung Dresden, am 17.11.2007
Als König Johann erstmals Prinzessin Amalie küsste
Ein Wettiner bringt ein Buch über das Königreich Sachsen auf den Markt. Er preist die Vorfahren, aber aus dem Nähkästchen plaudert er nicht so gern.
Fast ein Jahr nach dem 200. Gründungsjubiläum des Königreiches Sachsen erscheint ein weiteres Buch über jene Zeit von 1806 bis 1918 – geschrieben von einem Wettiner höchstpersönlich. Auch mit 72 Jahren forscht der promovierte Historiker Albert Prinz von Sachsen noch immer emsig in der Geschichte seiner Dynastie. Missionarisch pflegt er die familiären Traditionen. So erschien schon 1989 das Buch „Die Albertinischen Wettiner“. Sein jüngstes Werk „Königreich Sachsen – Traditionen in Schwarz und Gelb” wird heute im Dresdner Lingnerschloss präsentiert.
Würdigung der Vorfahren
In dem Buch widmet sich der Autor erneut jenen sieben Vorfahren, die nach 1806 als Könige sächsische Geschichte schrieben. Neben den eher fragmentarischen Biografien greift er ausgewählte historische Meilensteine auf: Die erste sächsische Verfassung aus dem Jahr 1831 beispielsweise. Aber auch die Historie familiärer Immobilien – wie der Schlösser in Moritzburg und Pillnitz – wird skizziert. Besonders ausführlich schreibt Albert Prinz von Sachsen über „Die wirtschaftlich-sozialen Reformmaßnahmen König Antons …” oder „Die Fürsorge für den arbeitenden Menschen”. Die Reformen seines Ur-Ur-Großvaters König Johann (1801–1873) hatte der Autor bereits zum Thema seiner Doktorarbeit.
Herausgekommen ist, was sich Albert Prinz von Sachsen schon im Vorwort selbst zur Aufgabe gestellt hat – die „beispielhaften Leistungen auf kulturellem, künstlerischem, politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu behandeln“, die seinen Altvorderen zugeschrieben werden. Insofern erwarten den Leser eine ganze Reihe bekannter und weniger bekannter Episoden aus der königlichen Familiengeschichte. Auf lediglich 177 Seiten – ansprechend bebildert und modern gestaltet – bleibt da zwangsläufig einiges auf der Strecke. So hätte der Leser sicher gern etwas mehr über die gescheiterte Ehe des letzten Königs mit Luise von Toscana erfahren. Die moderne und lebensfrohe Kronprinzessin hielt es Anfang des 20. Jahrhunderts im etwas miefigen Dresdner Hofstaat nicht mehr aus und lief ihrem Mann davon. Dem seinerzeit größten Skandal im deutschen Hochadel sind aber nur zwei Sätze gewidmet.
Das Rätsel um den Korsen
Auch sonst nutzt der Autor die Gelegenheit leider nicht, um den historisch interessierten Sachsen etwas mehr aus den offenkundig vorhandenen persönlichen Aufzeichnungen der Monarchen und Prinzen mitzuteilen. Immerhin ist zu erfahren, wie König Johann am 20. November 1822 seiner Braut, der Bayernprinzessin Amalie, in Chemnitz den ersten Kuss gab und in der Hochzeitsnacht zu ihr ins Bett gebracht wird. Informativ, wenn auch etwas aus dem Rahmen fallend, sind die Kapitel über die Wettiner nach 1918.
Von Bekanntem hebt sich wohltuend die Geschichte über die Königskapelle in Imst (Tirol) ab, wo Friedrich August II. quasi Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Der Überlieferung zufolge stürzte seine Kutsche in einer Kurve um. Der dritte Sachsen-König wurde aus dem Wagen geschleudert und vom Huf eines Pferdes tödlich getroffen.
Fast birgt das Buch Potenzial für eine historische Sensation. Der Autor schreibt, dass die feierliche Proklamation des Königreiches am 20. Dezember 1806 „im Jagdschloss Moritzburg” und „unter persönlicher Anwesenheit des Korsen” stattfand. Ist damit tatsächlich Napoleon gemeint, der das Kurfürstentum Sachsen zum Königreich erhoben hatte? Für dessen Anwesenheit an diesem Tag in Sachsen finden sich in den Archiven keine Belege. Auch der Autor führt kein Zeugnis dafür an. So bleibt die Vermutung: Da wird wohl an einer Legende gebastelt. Napoleon war am 20. Dezember 1806 nachweislich in Warschau, bestätigt Peter Wiegand vom sächsischen Staatsarchiv.
Thomas Schade
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Leipziger Volkszeitung, am 16.11.2007
Das Königreich des Prinzen
Neues Buch: Albert von Sachsen betrachtet über 100 Jahre Monarchie
Dresden. Morgen im Lingnerschloss zu Dresden: Albert Prinz von Sachsen, Herzog zu Sachsen (73), stellt sein Buch „Königreich Sachsen” vor. Es ist die leicht verspätete Eloge auf das 2006 gefeierte 200-jährige Monarchie-Jubiläum der Wettiner. Anlässlich dieses Ereignisses erscheint nun ein Abriss der sozial- wie wirtschaftspolitischen Leistungen und kulturellen Errungenschaften der hiesigen Blaublütigen.
Der promovierte Historiker analysiert dabei die Leistungen der Wettiner für ein modernes Staatswesen, deren Auswirkungen bis in unsere Zeit und auch über die Grenzen des Freistaates hinaus. Nicht zuletzt gewinnt das Werk an Aussagekraft durch die Zugehörigkeit des Autors – er ist schließlich ein Enkel des letzten sächsischen Königs und ein direkter Nachfahre von August dem Starken – zum Hause Wettin und des dadurch gegebenen Zugangs zu einzigartigen Quellen.
Der Autor verweist auf die so noch nicht dargestellte Verzahnung des Hauses Wettin mit den Wittelsbachern. Das Zweite, was er stark herausgearbeitet habe, sei die soziale Problematik, wobei sich König Johann auch um den arbeitenden Menschen verdient machte. Prinz Albert: „Das ist ja gerade für Sachsen als Industrieland wichtig.” Das Königreich existierte von 1806 bis 1918. Es gab sieben Könige. Sie werden als die üblichen Regenten betrachtet, die aber laut Albert alle ihre Meriten hatten, wie eben Johann mit seinen Verdiensten um die Gesetzgebungen.
Albert von Sachsen lässt wissen, dass er darstellen und nicht polemisieren wolle. Dass sein Bruder Maria Emanuel, seines Zeichens der aktuelle Chef des Hauses Wettin, Alberts Buch nicht gut heißt, sei einer leider vorhandenen Starrköpfigkeit zuzuschreiben. Aus gut informierten Quellen ist zudem zu hören, dass Maria Emanuel das Erscheinen verhindern wollte. Grund dafür: Albert beleuchtet auch die Gegenwart und den Streit um die anstehende Nachfolge an der Spitze der Wettiner mit Alexander auf der einen und Rüdiger auf der anderen Seite. Albert schreibt fest, dass Rüdiger mit seinen drei Söhnen die männliche Nachkommenschaft der Wettiner sichert. Auch da, so merkt der Autor an, werde aber kein Öl ins Feuer gegossen, sondern nur Chronistenpflicht geübt. Bisher sei mit diesen Deszendenzen ein Versteckspiel betrieben worden, was man nun nicht mehr machen könne.
Rüdiger Prinz von Sachsen, bekanntlich in Moritzburg ansässig und dort als veritabler Forstwirt tätig, findet des Onkels Familienbuch natürlich „sehr gelungen”, was ob des genannten Inhaltes auch nicht gerade verwundert.
Ein Fazit des Buches von Albert lautet: „Als es die Monarchie gab, ging es den Sachsen in Sachsen am besten. Seither ist es nur noch bergab gegangen.” Ob der geneigte Leser dem zu folgen gewillt ist, sei Freund wie Feind der Wettiner selbst überlassen. Auch der wohl berühmteste Ausspruch eines sächsischen Königs findet in dem neuen Buch Bestätigung. Albert: „Als Friedrich August III. 1918 abdankte, sagte er in der Tag: ,Macht euren Kram alleene.'” Und wie findet der nachgeborene Wettiner die Tatsache, dass schon seit Monaten Ruhe herrscht hinsichtlich der Kunstgut-Verhandlungen zwischen dem Freistaat und den Wettinern? „Ich bin heilfroh, dass die öffentliche Quatscherei aufgehört hat. Das Ansehen des Hauses Wettin hatte dadurch sehr gelitten. Ich möchte, dass Frieden herrscht, und das auch in unserer Familie.” Abwarten.
Thomas Mayer