Ein Schicksal zwischen den Religionen

Helga Kaden stellte ihren neuen Roman „Die Beutetürkin“ vor

Es ist die alte Geschichte von Menschen, die gegeneinander kämpfen, obwohl sie sich doch nicht kennen, die der Religion folgen, anstatt auf ihren Gott zu hören und dem Spiel der Mächtigen ausgeliefert sind, bei dem immer der einfache Mann als Verlierer hervorgeht.

Erzählt wird sie von Helga Kaden in ihrem neuen Roman „Die Beutetürkin“, und schon die Unterzeile „Harem . Halbmond . Erzgebirge“ weist auf einen territorialen Bezug vom osmanischen Reich in unsere Region vor mehr als 300 Jahren hin. Und auch die gelungene Präsentation des 269 Seiten umfassenden Buches auf Schloss Pfaffroda war nicht zufällig, denn hier hat sich ein Teil der Erzählung aus der Zeit der Türkenkriege zugetragen.

Doch da ist der Leser schon mitten in der berührenden Lebensgeschichte der schönen Kirgisin Arwa, die als junges Mädchen verkauft und verheiratet wurde, über Taschkent nach Bulgarien, dem Aufmarschgebiet der türkischen Krieger auf ihren Weg gen Westen, kam und jung verwitwete. Mit Schwager Mustafa verlebte sie danach einige Jahre gemeinsamen Glücks, das in Zeiten grausamer Kriege keinen Platz finden mag. In Ungarn wurden sie und Sohn Ali schließlich von denen gefangen genommen, die im Kampf gegen die Heiden ihre heilige Mission sahen - und dennoch nicht besser handelten. Eine Beutetürkin war sie in Dresden, ihrer orientalischen Schönheit wegen bekannt und ob der sächsischen Leidenschaft für den heißen Türkentrank gern gesehen. Verschlungene Wege führten sie schließlich auch nach Pfaffroda und Satzung, dem Heimatort ihres einstigen Bewachers und späteren Helfers Andreas.

Ein Artikel über die „Türkin von Pfaffroda“, erschienen 1928 in der Zeitschrift „Unsere Heimat“, machte die Seiffener Autorin, die damit ihr sechstes Buch in der Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH veröffentlicht, auf das Schicksal von Arwa und ihrem Sohn Ali aufmerksam. Recherchen des Heimatforschers und Schriftstellers Alfons Diener von Schönberg, der 1879 auf Schloss Pfaffroda geboren wurde und dort bis 1936 lebte, des Korans als Verständnisquelle des Islam und eine gemeinsame Reise mit Ehemann Heinz entlang der Lebensgeschichte von Arwa unterstützten die umfangreiche Arbeit in Vorbereitung auf „Die Beutetürkin“: Ein Buch über eine Frau in der rechtlosen Zeit eines Krieges, jedoch kein Frauenroman. Und auch die Schublade „historisch“ allein ist zu kurz gedacht. Denn auch wenn die beschriebenen Ereignisse viele Jahre zurückliegen, Helga Kaden sieht in der Lebensgeschichte der Beutetürkin aus Kirgistan die Chance zwischen den Menschen unterschiedlichen Glaubens zu vermitteln und fordert Toleranz ein. Und eben diesem Anspruch ist das Buch gerecht geworden.